Kriminalitätsstatistik 2025
Häusliche Gewalt, Raubüberfälle und Einbrüche nehmen zu in Luxemburg
Innenminister Léon Gloden (CSV) und Polizei-Generaldirektor Pascal Peters präsentieren die neusten Daten zu Straftaten in Luxemburg. Während die Kriminalitätsrate im Verhältnis zur Einwohnerzahl stagniert, beobachtet die Polizei jedoch einen Anstieg bei Einbrüchen und Raubüberfällen – und einige „besorgniserregende“ neue Phänomene.
Die Polizei hatte 2025 alle Hände voll zu tun – insgesamt 41.489 Fälle Foto: Editpress/Julien Garroy
Mehr gewaltsame Überfälle, mehr Autodiebstähle, mehr Fälle häuslicher Gewalt und mehr Einbrüche; weniger Betrugsdelikte, weniger Vandalismus und weniger Beamtenbeleidigungen. So in etwa könnte man – ganz verkürzt – die Bilanz der luxemburgischen Polizei über die Straftaten des Jahres 2025 zusammenfassen, die Innenminister Léon Gloden (CSV) am Donnerstagmorgen zusammen mit Polizei-Generaldirektor Pascal Peters, Kriminalpolizei-Direktorin Kristin Schmit und Verwaltungspolizei-Direktor Thierry Fehr vorgestellt hat.
Das klingt erst einmal dramatisch. Laut Kriminalstatistik ist die Gesamtzahl der in Luxemburg erfassten Straftaten im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Die Polizei erfasste 41.489 Straftaten, das sind 1,3 Prozent mehr als 2024. Setzt man diesen Anstieg jedoch in Relation zum Bevölkerungswachstum, sehen die Zahlen schon anders aus. Auf 100.000 Einwohner hat die Polizei im Jahr 2025 6.005 Fälle registriert, exakt so viel wie im Jahr zuvor. Laut Polizei-Generaldirektor Peters liegt Luxemburg damit unter der Quote seiner Nachbarländer Belgien, Deutschland und Frankreich. Innenminister Gloden gibt außerdem zu bedenken, dass es, wenn man die Zahl der Grenzgänger berücksichtige, die täglich ins Land pendelten, sogar einen Rückgang der Straftaten gebe.
Was man allen Daten der Kriminalstatistik jedoch voranstellen muss: Es handelt sich ausschließlich um die Fälle, die der Polizei bis zum Stichdatum Februar gemeldet wurden. „Das sagt nichts darüber aus, ob der Fall auch von der Justiz weiterverfolgt wurde“, sagt Polizei-Generaldirektor Pascal Peters.
Drogenhandel durch Luxemburg hat zugenommen
Erfolge verbucht der Innenminister vor allem bei den Fällen von Vandalismus, die zum ersten Mal seit Jahren rückläufig sind, und bei der Drogenkriminalität. 216 Dealer habe man im vergangenen Jahr verhaften können, so Gloden. Aus dem knapp 150-seitigen Bericht der Polizei geht weiterhin hervor, dass Dealer auf den öffentlichen Straßen Luxemburgs „überwiegend aus Westafrika stammen und hauptsächlich im Vertrieb von Kokain tätig“ seien. Man beobachte eine „grenzüberschreitende Dynamik“, bei der die mutmaßlichen Täter „größtenteils im französischen Grenzgebiet wohnen und zum Großteil bei den französischen Behörden einen Asylantrag gestellt haben“.

Präsentieren neuste Zahlen (v.l.): Kriminalpolizei-Direktorin Kristin Schmit, Innenminister Léon Gloden, Polizei-Generaldirektor Pascal Peters und Verwaltungspolizei-Direktor Thierry Fehr Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die Polizei stellt auch eine neue Entwicklung im internationalen Drogenhandel fest. Im vergangenen Jahr seien die Transitströme durch Luxemburg deutlich angestiegen, insbesondere über den Flughafen. Angesichts verschärfter Maßnahmen in den großen europäischen Seehäfen hätten kriminelle Organisationen ihre Routen schrittweise diversifiziert und griffen nun verstärkt auf den Luftfrachtverkehr zurück, so die Analyse der Polizei. Etwas, das sich auch im Anstieg der beschlagnahmten Mengen illegaler Substanzen am Flughafen widerspiegelt. 2025 stellte die Polizei dort in Zusammenarbeit mit dem Zoll insgesamt 874 kg Kokain, 74 kg Methamphetamin, 2.255 kg Cannabis und 108 kg Haschisch sicher.
874
Kilogramm Kokain wurden 2025 am Flughafen beschlagnahmt
Ein Anstieg muss jedoch auch bei der Zahl der Diebstähle und bei Einbrüchen in bewohnte Häuser verbucht werden. In 132 von insgesamt 1.576 Fällen konnten die mutmaßlichen Täter dabei auf frischer Tat ertappt werden. Zur Herkunft der Täter äußert sich Kriminalpolizei-Direktorin Schmit: „Es sind die üblichen Leute aus dem Balkan und Nordafrika.“ Doch auch eine neue Entwicklung zeichne sich ab: eine Zunahme von Einbrechergruppen aus Südamerika. „Die haben Europa für sich entdeckt. Luxemburg ist dabei keine Insel“, so Schmit.
Auch wenn in der Kriminalstatistik 2025 die Zahl sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen rückläufig ist, zeigt Schmit sich besorgt über andere Entwicklungen in diesem Bereich, vor allem die Verbreitung intimer Bilder („Nudes“) ohne Einwilligung und damit einhergehende Erpressung („Sextortion“). Ebenfalls beunruhigend: Der Anstieg häuslicher Gewalt in Luxemburg. Im Jahr 2025 musste die Polizei in 1.297 Fällen ausrücken, 333 Mal erteilte sie einen Verweis. Das ist ein Plus von zehn bzw. 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aus diesem Grund habe man ab Herbst 2025 eine spezielle Risikoanalyse eingeführt, sagt Schmit. Eine eigene Pressekonferenz zu diesem Thema soll in den nächsten Wochen folgen.
2025 kam es in Luxemburg auch zu deutlich mehr Raubüberfällen. Deren Zahl war seit 2022 kontinuierlich gesunken und steigt nun wieder an. Die Kriminalstatistik verzeichnet einen Zuwachs von 30 Prozent, bei bewaffnetem Raubüberfall gar von 40 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden im Großherzogtum zwei Banken und vier Tankstellen von bewaffneten Tätern überfallen – 2024 gab es solche Fälle nicht.
Rückläufig sind hingegen die Fälle von Beamtenbeleidigungen, was die Polizei unter anderem auf den Einsatz von Bodycams zurückführt, die seit Sommer 2025 fester Bestandteil der Ausrüstung sind. Ein anderes Phänomen beunruhigt Kriminalpolizei-Chefin Schmit in diesem Kontext: „Es gibt viele Anzeigen wegen antisemitischer Diskurse, wegen Verschwörungstheorien, Frauenfeindlichkeit, Pro-Russland und Anti-LGBTQAI+.“ Vor allem Jugendliche würden über soziale Medien gezielt manipuliert und rekrutiert, so Schmit.
Mehr Fälle von sofortigem Führerscheinentzug

Tickets schreiben: Zwei Polizisten beim „Speedmarathon“ im April Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Im vergangenen Jahr hat die luxemburgische Polizei insgesamt mehr als 80.000 Strafzettel im Straßenverkehr weniger verteilt als noch im Vorjahr. Dieser Rückgang bei den Verkehrsdelikten lasse sich laut Verwaltungspolizei-Direktor Thierry Fehr jedoch nicht damit erklären, dass sich mehr Verkehrsteilnehmer auf Luxemburgs Straßen plötzlich vorbildlich an die Regeln hielten, sondern vielmehr damit, dass viele festinstallierte Radarfallen im Laufe des Jahres wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb waren. Das Gegenteil scheint wahr zu sein: Insgesamt hat die Polizei im Jahr 2025 knapp 300 Führerscheine mehr einkassiert als im Vorjahr. In den meisten Fällen (mehr als 70 Prozent) sofortiger Fahrverbote war zwar noch immer Alkohol der Grund, für den Anstieg beim Führerscheinentzug in diesem Jahr zeichnen jedoch Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 40 km/h verantwortlich.
Auch zwei Ankündigungen gibt es an diesem Tag: Demnächst werde die luxemburgische Polizei eine Vereinbarung mit der deutschen Bundespolizei unterzeichnen, um gemeinsame Kontrollen in Zügen und in der Mosel- und Grenzregion durchführen zu können, so Generaldirektor Peters. Ähnliche Abkommen existieren bereits mit Belgien und Frankreich. Außerdem kündigte Innenminister Gloden an, das Polizeikommissariat in der Oberstadt sei ab Mai 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet.