Luxemburger Wohnungskrise

„Das eigentliche Problem ist der strukturelle Wohnungsmangel“ – Handwerker warnen vor falscher Diagnose

Die Fédération des Artisans warnt vor falschen Entscheidungen. Statt einer stärkeren Mietpreisregulierung, plädieren die Handwerker für eine konsequente Baupolitik.

Luxemburgs Wohnungsbau sinkt seit Jahrzehnten, es werden jährlich weniger neue Wohnungen als benötigt gebaut

Seit Jehrzehnten baut Luxemburg jedes Jahr weniger Wohnungen als eigentlich benötigt würden Foto : Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der Druck auf den Mietmarkt sei wohl real, unterstreicht der Handwerksverband am Freitag in einer Pressemeldung zur laufenden Debatte über Wohnungskrise und Mietpreise. Sie warnen jedoch vor einer falschen Diagnose: „Der Druck ist die Folge eines tiefer liegenden Problems“, heben sie hervor: „Es wird nicht genug gebaut. (…) Luxemburg leidet seit Jahren vor allem unter einem strukturellen Wohnungsmangel.“

Die derzeitige Fokussierung der Debatten auf den Mietmarkt vermittle derweil die Illusion einer schnellen Lösung, gibt die Fédération des Artisans zu bedenken. Das sei aber nicht der Fall: In Wirklichkeit bestehe die Gefahr, den wenigen Investoren ein negatives Signal zu senden und den Bau neuer Wohnungen noch weiter zu bremsen. Dabei sei es genau das, was das Land am dringendsten benötigt.

„Die Lage ist besorgniserregend“, so die Handwerker weiter. „Haushalte haben zunehmend Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden.“ Das mache es dann auch für Unternehmen schwerer, attraktiv für Personal zu sein. „Der Arbeitsmarkt ist direkt vom Mangel an verfügbaren Wohnungen betroffen. Die Wohnungsknappheit ist zu einem wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Problem geworden.“

Die Regulierung eines Marktes, auf dem Mangel herrscht, schafft keine Wohnungen

Fédération des Artisans

Vor diesem Hintergrund fordert der Handwerksverband, die Debatte „wieder auf die wirklichen Prioritäten zu konzentrieren“. Vor allem gelte es „mehr und schneller“ zu bauen. Wünschen tut man sich Maßnahmen zur Wiederbelebung Marktes vom Neubau von Wohnungen, der sich seit einigen Jahren in einer tiefen Krise befindet. Zudem brauche es stabile und attraktive Bedingungen für Investoren im Mietwohnungsbau, sowie auch eine Überprüfung der technischen Anforderungen, um die Kosten für Wohnraum zu senken.

„Die Regulierung eines Marktes, auf dem Mangel herrscht, schafft keine Wohnungen“, so die Fédération des Artisans. „Im Gegenteil, sie droht die Situation noch zu verschärfen.“ Luxemburg könne seinen Weg aus der Krise nicht regulieren. „Es muss ihn bauen.“

Das Gegenteil ist aktuell der Fall: Rund 4.500 Arbeitsplätze sind hierzulande seit Krisenbeginn Mitte 2022 im Bausektor verschwunden. Erfahrenes Personal, das der Branche in Zukunft fehlen wird. Es wird noch weniger gebaut als in den Jahren vorher. Gleichzeitig ist seit Jahrzehnten ist bekannt, dass hierzulande etwa 30.000 Wohnungen fehlen.

2 Kommentare
Grober J-P. 18.04.202609:45 Uhr

"In Wirklichkeit bestehe die Gefahr, den wenigen Investoren ein negatives Signal zu senden" Investieren, ins Eigenheim auf hiesigem Boden , würde so manch einer sehr gerne. Leider wird ihm gesagt er hätte zu wenig Kapital, er wäre nicht kreditwürdig, da zu wenig Verdienst, die mit Blattgold verzierten Betonblöcke seien sowieso für die Elite bestimmt.
Genau so kommt es rüber, wenn man einem Geldgeber gegenüber sitzt. Wieso ist das so aus dem Ruder gelaufen. In den 70 - 80-ern hat ein normales Gehalt gelangt um von der Bank die nötigen Mittel zu bekommen, mit Angabe der Selbstbeteiligung am Bau.

Manfred Reinertz Barriera 17.04.202622:13 Uhr

Jeder sagt, es sei der strukturelle Wohnungsmangel das Problem, leider auf tauben Ohren in dieser Regierung, denn Luc, der CEO, spaziert im Walde und hört dort nichts…und falls man es ihm sagen würde, wäre ihm das sowieso schxxxx egal........

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